Die letzte Nacht im Holiday Inn Fisherman's Wharf haben wir wieder sehr gut geschlafen. Die Betten und Kissen waren klasse. Wir schafften es an diesem Tag sogar bis kurz nach fünf. Gerne nutzen wir immer die Gelegenheit , wenn man durch den Jetlag früh wach ist, auch sofort aufzubrechen .So packten wir schnell unsere paar Sachen zusammen. Ich holte das Auto und diesmal machten wir es richtig und luden das Gepäck vorm Nebengebäude ein. Wir waren schnell San Francisco entflohen. Über die Golden Gate Brücke, die an diesem Morgen wieder komplett im Nebel stand, erreichten wir kurze Zeit später Sausalitos. Diese Stadt sah von oben wunderschön aus und wurde schon für den nächsten Besuch auf unsere Liste gesetzt. Wir hatten noch ein paar Kilometer vor uns. Je näher wir der Pazifikküste kamen, desto mehr setzte wieder Nebel ein. Wir wollten eigentlich ein paar Leuchttürme und Steinformationen an der Pazifikküste anfahren, leider sah man gar nichts. Nach einer guten Stunde Fahrt hatten wir Hunger. Passend kam ein handgeschriebenes Schild "For excellent food, turn right!" Diesem Schild folgten wir, nämlich nach Bodega. Leider war das einzige so früh geöffnete Etablissement in dem es was zu essen gab "Colleens Café". Warum nicht? Wir gingen in das kleine Hüttchen, in dem drei Männer und Colleen saßen. Im ersten Moment wollten wir schon wieder abhauen. Es fühlte sich eher an, als würde man in Colleen's Trailer Küche stehen. Der Höflichkeit halber bestellten wir aber Ham & Egg Bagles. Colleen war sehr nett und weihte uns in ihre Kochkünste ein. Bagel auf den Toaster. Fertigeimasse in eine runde Plastikbox geben, mit fertigem Würfelschinken verrühren und in die Mikrowelle geben bis das Ei stockt. Dann fertig geriebenen Cheddar Käse darüber streuen und nochmal in die Mikrowelle geben. Danach das fertige Gemisch auf den getoasteten Bagle legen. Zusamenklappen. Wir waren etwas skeptisch, freuten uns aber ein paar Minuten später unser Frühstück an dem Ort einzunehmen, wo der Salmon Creek in den Pazifik fließt. Eine schöne Aussicht hatten wir, nämlich, gar keine. Ein Mitarbeiter, der wohl für die Instandhaltung des Geländes zuständig war, fragte uns, ob wir denn schon Sonnencreme aufgetragen hätten. Könnte gefährlich werden. Humor haben sie ja die Amerikaner. Egal, Aussicht hin oder her, wir hatten Hunger. Den Fosters Kaffee haben wir heiß in unserer Thermokanne gebunkert. Eigentlich wollte ich im Auto essen, aber Anett bestand darauf die neuen Klappstühle vorm unsichtbaren, aber deutlich hörbaren Pazifik, aufzubauen. Nach ein paar Bissen guckten wir uns beide an. Die Bagels schmeckten einfach nur ekelhaft. Mein Motto ist ja immer: "Der Hunger treibt's nei!" Tat er auch, ich aß den Bagel fast auf. Glaubt mir, er verfolgte mich auf negative Weise den ganzen Tag. Anett war schlauer und stieg von Bagel auf Jack Link's Tender Bites um. Wir fuhren die Küste noch bis zum Goat Rock, dort machten wir nochmal Halt um den Nebel zu "bewundern". Es brachte leider alles nichts, also disponierten wir unsere Grundidee um und folgten dem Willow Creek flussaufwärts ins Landesinnere. Ein paar Kilometer weiter riss schon die Wolkendecke auf und Sonne kam zum Vorschein. Was war das! Plötzlich lief etwas vor mir auf der Straße, ich bremste, hinter mir kam ein Truck angedüst, ich machte die Warnblinkanlage an. Jetzt erkannte ich es auch was es war, ein kleines Rehkitz sprang panisch von der linken zur rechten Spur. Endlich konnte es den sicheren Sprung in den Wald wagen. Der Truckfahrer sah uns zum Glück und bremste auch ab. Gott sei Dank ist das nochmal gut gegangen. Über kleine Dörfer und Wälder bahnten wir uns unseren Weg zum Highway 101. Einen Zwischenstopp machten wir um zu Tanken und bei einem Postamt. Dieses Jahr wollten wir auch mal Postkarten schreiben. Wir sind ja mehr die Poster und Tweeter, aber warum mal nicht oldschool den Daheimgebliebenen eine Freude machen. Irgendwann erreichten wir nach der imposanten Überlandfahrt wieder den Redwood Highway. Nach vielen Kilometern gab es ein Schild für den Chandelier Tree, ein großer Redwood durch den man fahren kann. Ich fand es irgendwie komplett bescheuert durch einen Baum zu fahren, dennoch, wann hat man im Leben nochmal die Gelegenheit dazu? Wir fuhren also dorthin und zahlten $5 um durch einen Baum zu fahren. Richtig, UM DURCH EINEN BAUM ZU FAHREN. Dieses Spektakel schien den Asiaten sehr zu gefallen. Die standen nämlich in Reih und Glied hinter dem Baum. Ich fuhr durch, nahm den rechten Außenspiegel mit und Anett fotografierte. Das war's auch. Jetzt bin ich auch mal durch einen Baum gefahren. "Und jetzt schnell weg hier." Einige Zeit später fuhren wir ab zum Südeingang der Avenue of the Giants. Ich hatte mir das Ganze etwas mehr "giant" vorgestellt. Ein paar Streckenabschnitte beinhalten natürlich jede Menge Redwoods, die sich mächtig in die Höhe stemmen, aber das Meiste ist eher normaler Wald. Ein paar Mal hielten wir bei den interessanten Stellen an und machten Fotos. Das ist jetzt etwas peinlich zu erzählen, aber der Kaffee wirkt fatal bei mir. Ich musste plötzlich dringend auf die Toilette. Zum Glück nicht das, was manche meiner Stammtischkollegen mitten unter roten Steinen in der Wildnis müssen, bei mir war es nur das kleinere Übel. Was "Wild-Pipi"- Machen angeht bin ich ja etwas schüchtern. Aber bei den Redwoods ist das kein Problem, die sind so verschlungen und riesig, dass man wirklich nicht erkannt werden kann. Wieder kutschierten wir in nördliche Richtung. Das Wetter war gemischt. Mal blinzelte die Sonne, mal hatten wir Wolken. Geregnet hat es zum Glück nicht. Es gibt viele Wanderwege im südlichen Teil des Redwood National Park. Wir wollten im Prairie Creek den Trail durch den Fern Canyon gehen. Von Elk Meadows vorbei, wurden wir von einer überschwemmten Straße aufgehalten. Es war zwar eine Holzlatte vorhanden, auf der man aber nicht mehr viel erkennen konnte, wie tief nun das Wasser war. Anett musste herhalten. Sie stieg aus und zeigte mir an, wie tief ich in das Wasser fuhr. Es war nicht mal 30 cm tief, also konnten wir beruhigt weiter fahren. Der Weg zum Fern Canyon führt über einen Waldweg zum Gold Bluff's Beach, ein kleines Stück weiter ist dann Schluss mit dem Waldweg, und da ist der Trailhead für den Fern Canyon. Vorher mussten wir noch zwei kleine Bachläufe, die direkt über den Weg plätscherten, überwinden. Mit dem großen Rogue aber kein Problem. Toilettenhäuschen sind auch vorhanden, sehr schön. Genau am Anfang des Trails lag ein riesiger Elk auf dem Hügel und kaute gemütlich Gras im Schatten. Wir guckten ihm eine Weile zu und machten uns dann auf den Weg. Zwischen kleinen Flussläufen und umgefallenen Bäumen bahnten wir uns immer weiter den Weg in den Canyon. Er war gut besucht. Auch ein deutscher Fotograf war da, mit Stativ und motzte ziemlich mit seiner Frau rum. Ich weiß nicht was sie falsch gemacht hatte, aber diese Hektik bräuchte ich nicht an so einem Ort. Wir ließen die beiden schnell hinter uns. Wunderschöne grüne Farne und Moose bedeckten die Wände des Canyons. Überall plätscherte Wasser von den Steinwänden, über das Grüne. Auch unter uns war Wasser, das wir immer wieder überwinden mussten. Es machte Spaß dort herum zu klettern, wie ein großer Abenteuerspielplatz für Erwachsene. Die Sonne ging langsam tiefer und wir machten uns wieder auf den Rückweg. Dort kamen wir mit weiteren Deutschen ins Gespräch, die aber bereits seit vielen Jahren in San Francisco wohnen. Sie waren ganz verwundert, woher wir von diesem Canyon wüssten. Internet, ganz einfach. Kurz vorm Parkplatz erschreckte uns nochmal ein riesiger Elk, der ungestört sein Abendessen auf der Wiese zu sich nahm. Auf dem Weg zurück zur Hauptstraße begegneten uns nochmal drei männliche und zwei weibliche dieser Tiere. Es ist beeindruckend, dass sie gar nicht schreckhaft sind. Nun  war es schon spät und für uns ging es weiter nach Crescent City, wo wir unsere Übernachtung geplant hatten. Im Sonnenuntergang war jetzt auch die Sicht auf die steile Pazifikküste frei. Wunderschön ist dieser Anblick, wir konnten uns gar nicht satt sehen. Der tosende Pazifik, der seine Wellen wild gegen schroffe Klippen schlägt. Darüber lachs bis tiefrot farbene Wolken. In Crescent City wollten wir am kleinen Hafen im Chart Room Fish & Chips essen. Leider hatte dieses Restaurant dienstags geschlossen. Schade, es war hier nichts los, nur die Seelöwen machten wieder Lärm. Im ganzen Ort befinden sich große Schnitzereien aus Treibholz. Das hat mir sehr gut gefallen.  Es war schon halb neun abends, also gingen wir auf Nummer sicher und aßen bei Jack in the Box. Die meisten Restaurants schlossen nämlich hier um neun Uhr. Verstehe ich auch nicht. Es gab einen Sourdough Grilled Chicken für mich und Anett entschied sich für den Sirloin Cheeseburger. Wir waren die Einzigen in dem Laden, es schmeckte aber sehr gut. Als es noch dämmerte beschlossen wir spontan zum Battery Point Lighthouse zu fahren, ein Leuchtturm der auf einer kleinen Insel vor Crescent City steht und nur bei Ebbe ohne nass zu werden erreichbar ist. Anett war es zu kalt und blieb im Auto sitzen, während ich ein paar Fotos machte. Mir war es dann auch zu frisch und wir stoppten noch beim nächsten Safeway um unsere Vorräte wieder aufzufüllen. Gleich gegenüber vom Hafen befindet sich unser Hotel, die Curly Redwood Lodge. Angeblich gebaut aus einem einzigen Redwood. Ich kam zur Lobby und gab meine ausgedruckte E-Mail der Mitarbeiterin am Tresen. Ich habe die Reservierung direkt mit dem Besitzer per E-Mail vereinbart. Sie guckte mich an und meinte: "Do you want to move from Germany to the USA?" Ich guckte sie verwirrt an. Sie stellte mir weitere Fragen und meinte, dass sie das nicht entscheiden könnte. Ich entgegnete, dass sie ja hier arbeitet und ich jetzt nicht auf den Chef warten kann. Nach ein paar Minuten lachte sie laut los. Ich glaube diese Frau war etwas verwirrt, denn sie dachte, diese E-Mail ist eine Bewerbung und ich wolle hier Probearbeiten. Sowas ist mir ja noch nie passiert. Ich sagte ihr, dass ich das gerne tun würde, wenn sie eine gute Stelle für mich hat. Jetzt gab sie mir endlich die Schlüssel. Wir konnten direkt am überdachten Parkplatz vorm Zimmer parken. Ich fand das Hotel sehr spartanisch aber außerordentlich sauber. Da es arg altmodisch aussah, versuchte ich extra irgendwas Schmutziges zu finden, aber das Zimmer und die Außenbereiche waren wie geleckt. Man kann hier getrost wohnen. Witzig fand ich das Nebelhorn das man konstant hörte, dazwischen immer noch das Gebell der Seelöwen. Das Bett war leider etwas klein, aber wir waren müde und schliefen schnell ein.
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Tag 4: Pacific Coast & Redwoods
Tag 4: Pacific Coast & Redwoods
Datum: 28.05.2013 Gefahrene Meilen: 430 Curly Redwood Lodge 701 US Highway 101 South, Crescent City, CA, Vereinigte Staaten ‎ +1 707-464-2137 ‎ · curlyredwoodlodge.com Goat Rock State Beach Link Redwood Nationalpark http://www.nps.gov/redw/index.htm Drive Thru Tree Park 67402 Drive Thru Tree Road P.O. Box 10 Leggett, CA 95585 drivethrutree.com/ Jack In the Box 1233 6th St, Crescent City, CA, Vereinigte Staaten ‎ +1 707-465-3763 ‎ · jackinthebox.com Bevorzugt hätten wir: (war leider geschlossen) Chart Room  130 Anchor Way, Crescent City, CA, Vereinigte Staaten ‎ +1 707-464-5993 ‎ · chartroomcrescentcity.com
Aktivitäten
Übernachtung
Essen
Video des Tages Music: "Let It Rock" von Chatham County Line
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