Dem Jetlag ging es immer besser, also begannen wir später unseren Tag. Gegen acht Uhr tankten wir noch an der nächsten Chevron und bogen dann rechts in ein paar Wohnsiedlungen in Crecent City ab. Unser Garmin Oregon zeigte uns den Weg zu einem befahrbaren Waldweg, der Howland Hill Road, die uns tief in den Märchenwald der Giganten, den Redwood Trees, hinein führte. Heute regnete es, aber es hätte nicht schöner sein können. Klar war es schade, dass man immer Wasserflecken auf der Linse hatte, aber die Atmosphäre war so mystisch, dass wir uns sofort in den Film Twilight hinein versetzt fühlten. Als wir immer tiefer in die geheimnisvolle Welt eintauchten kamen wir uns ganz klein vor. Immer wieder hielten wir an und bewunderten die hunderte oder gar tausende Jahre alten Bäume. Über eine überdachte Brücke kamen wir zurück zur Hauptstraße. Wir wollten noch in ein Visitor Center, aber leider hatte hier alles geschlossen. So kauften wir schnell Postkarten an einer Tankstelle und setzten unseren Weg in Richtung Oregon fort. Im nördlichen Teil des Redwood Nationalparks gibt es viele Übernachtungsmöglichkeiten, denen wir uns vorher nie bewusst waren. Sollten wir nochmal hier her kommen werden wir auf jeden Fall in einem der kleinen Motels nächtigen. Einige Zeit später passierten wir die Staatsgrenze und wir waren in Oregon. Die Klippen und Wälder wurden immer weniger und wir fanden uns in einem Eldorado an tausenden Hektar großen Ranchbetrieben wieder. Links und rechts gab es so viele Kühe und Pferde auf riesigen grünen, mit kleinen Bächen durchzogenen, Feldern, dass man sie kaum zählen konnte. Ein Paradies für diese Tiere, auch wenn die Rinder wohl später auf den Tellern landen würden. In Grants Pass landete leider auch ein kleines Teil davon auf unserem, denn wir machten eine kurze Mittagspause. Da wir schnell weiterfahren wollten ging es durch den Taco Bell Drive Thru, der uns mit Chalupa und Burritos bediente. Ich hatte eine neue Art von Burrito, in dem knusprige rote Nachos in Chilli und Käse verteilt waren. Schmeckte vorzüglich, obwohl es Fast Food ist. Wir folgten dem Rogue River flussaufwärts nach Norden. Kurz vor dem Abzweig zum Crater Lake machten wir noch an der Rogue River Gorge Halt. Eine kleine Schlucht, die der Fluss in Millionen von Jahren in das Lavagestein gefräst hat. Das tiefgrüne Moos setzte sich deutlich an den schwarzen Lavasteinen ab, der Rogue River toste unter uns. Was für eine Kraft doch Wasser hatte. Auf dem Parkplatz erlebte ich etwas, was ich noch nie gesehen hatte. Es schien die Sonne und plötzlich fing es an zu regnen, ich ging ein paar Schritte vorwärts und es regnete nicht mehr. Hinter mir regnete es noch. Ich stand also genau zwischen der Regen- und Trockengrenze. Irgendwie kam ich mir vor wie in der Trumanshow, wo es in einer Szene nur auf Truman regnete und ein paar Sekunden dann erst in der gesamten Kulisse.  Nach einer Baustelle erreichten wir die Einfahrt zum Crater Lake Nationalpark. Ich hatte mich schon sehr auf den tiefblauen Kratersee gefreut. Er ist der tiefste See der USA und gehört zu den saubersten Seen auf der ganzen Welt. Der Ranger meinte, dass es da oben ziemlich neblig ist, aber es könnte die Sonne rauskommen. Mit bester Hoffnung traten wir den Weg bis zum Gipfel, natürlich mit dem SUV, an. Leider wurde es statt sonniger immer nebliger je höher wir kamen. Das Thermometer war inzwischen von 18 Grad auf 2 Grad gefallen. Die Eiswarnung in unserem Auto machte sich bemerkbar. Als wir am Parkplatz oben endlich ankamen sahen wir: Nichts. Wir waren enttäuscht, sollte das den ganzen Urlaub so weitergehen? Erst die Pazifikküste, jetzt der Crater Lake im Nebel. Ich habe auch gar kein Foto gemacht, denn man hat nicht mal das Ufer des Sees gesehen. Es begann extrem zu schneien und es war eisig kalt. Schnell verschwanden wir ins Visitor Center und kauften dort im Gift Shop Karten und einen Magneten. Wenigsten haben wir eine Postkarte, so sehen wir wie es hätte aussehen können. Eigentlich hätte ich eine Postkarte in Richtung See halten können und dann fotografieren. Die besten Ideen hat man erst hinterher. Nun tuckerten wir wieder nach unten und sahen freudig zu, wie das Thermometer wieder nach oben kletterte. Das Wetter besserte sich leider nicht. Es wurde windig, dann wieder sonnig, dann regnete es wieder. So ging es wirklich im Fünfminutentakt. Da der Rim Drive gesperrt war wussten wir schon vorher, dass wir den Crater Lake weiträumig umfahren mussten. Das war gar nicht schlimm, denn dort befinden sich ein paar Wasserfälle. Unter anderem, die National Creek Falls. Unser Garmin leitete uns den Weg dorthin, denn ohne wäre ich wieder umgekehrt. Es sind fast gar keine Schilder da und die Straßen haben auch keine Namen mehr, sondern nur noch Nummern. Jede Waldstraße sah gleich aus. Große Schlaglöcher umkurvten wir galant, auch den Rehen und Hirschen wichen wir aus, die ruhig neben der Straße standen. Ihnen schien das Mistwetter nichts auszumachen. Am Trailhead angekommen stand da ein Auto auf dem Parkplatz. Puh, wenigstens ein Auto, denn wir fühlten uns zu zweit etwas unwohl, hier mitten im Wald. Die Besitzer kamen aber gerade vom Hike zurück und schwärmten von den Wasserfällen. Na toll, nun waren wir doch allein in der Wildnis. Wir haben wohl zu viel Horrorfilme gesehen, denn das Schlimmste was eigentlich passieren könnte wäre eine unangenehme Tierbegegnung. Ich weiß bis heute noch nicht wie hoch die Bärenpopulation in diesem Gebiet ist .Ich will es eigentlich gar nicht wissen. Gut, wir hatten also Angst vor Bären und Serienkillern, während wir allein den serpetinenartig angelegten Wanderweg zu den Fällen hinunter flogen. So in der Mitte kam mir der Gedanke, dass ich das alles ja wieder hochgehen muss. Den verdrängte ich aber schnell. Innerhalb von fünf Minuten waren wir auch in der Schlucht angekommen, da es wie gesagt nur bergab ging. Ich hörte die Wasserfälle schon von weitem und nun stand ich davor. Wie jetzt ? Da war ja ein kleiner Hügel und man konnte die Fälle nur halb sehen. Auf den Bildern sah das ganz anders es. Und es war definitiv klar: Bevor ich diesen Mörderhike zum Parkplatz zurück antrete, muss ich auf die andere Seite des Flusses. Das hätten die mir mal vorher sagen können. Es gab keine Brücke, wir waren ja mitten im Nirgendwo. Nun regnete es wieder. Ich betrachtete zweifelnd die zwei großen Baumstämme die über den Fluss lagen. Sie sahen beide sehr rutschig aus und mit meinem schweren Rucksack hätte ich bestimmt nicht das Gleichgewicht halten können. Meine wasserdichte kleine Tasche hatte ich nicht mitgenommen, konnte ja keiner ahnen. Bevor die Technik aus Versehen ins Wasser fliegt, geh ich lieber ins Wasser. Ich begutachtete den Fluss. Nur in der Mitte war es etwas tiefer, die beiden Uferstreifen waren breit und seicht. Augen zu und durch, oder? Ich krempelte meine Hose hoch und stieg in das Wasser. Die Kälte durchzog meine Waden erst, als ich bereits über die Hälfte gegangen war. Die Strömung war okay und ich war in 15 Sekunden am anderen Ufer. In der Mitte war es etwas tiefer als gedacht, so waren nicht nur meine Schuhe nass, sondern auch der untere Teil meiner Hose. Igitt, nasse Kleidung mag ich ja nicht mal im Sommer. Ich blickte nach links und der Anblick der Wasserfälle ließ die Kälte und meine nasse Kleidung vergessen. In mehreren Bahnen stürzten sie mitten im Wald hinab. Überall lagen kleine und große Baumstämme, die der Fluss auf seinem Weg mitgerissen hatte. Hier sammelte sich alles, am Fuße der National Creek Falls. Im Eifer der Flussüberquerung hatte ich Anett ganz vergessen. Siehe da, sie war auch schon hier, aber ohne viel Gepäck nahm sie den trockenen Weg, nämlich den Balanceakt über den Baumstamm. Sehr mutig die Dame. Beide machten wir beeindruckt Fotos. Nach kurzer Zeit fiel mir wieder ein, dass wir ja Angst hatten wilden Tieren zu begegnen. Es war immer noch keine Menschenseele vor Ort. Ich fühlte mich trotzdem beobachtet. Ein sehr grusliges Gefühl. Ich winkte Anett zu und gab ihr ein Zeichen, dass wir gehen sollten. Den Rückweg ging ich teils über den Baumstamm, aber dann an der rutschen Stelle gleich wieder durch das Wasser. Jetzt war es auch schon egal. Anett war dieses Mal auch schneller über den anderen Stamm balanciert. Wir blickten uns immer wieder um, als wir die ersten Serpentinen hochgingen und plötzlich raschelten Blätter und man Hörte Holz knacken. Jetzt erblickten wir das wilde Ungetüm, das ein paar Meter vor uns aus dem Unterholz sprang. Anett und ich zuckten zusammen und sahen nun das Tier in seiner vollen Größe. Ein Reh. Und zwar ein ziemlich kleines Reh. Anett und ich guckten uns an und fingen laut an zu lachen. Wir lachten noch bis wir oben waren, was den Anstieg nicht gerade erleichterte. Zurück auf dem Trailhead zog ich mir eine neue Hose und Socken an. Die Wanderschuhe warf ich hinten in eine Tüte. Was für eine Wohltat, trockene Socken und Schuhe. Eigentlich standen noch die Watson Falls und die Tokotee Falls auf unserer Wunschliste. Die hätten auch eigentlich keinen so großen Aufwand erfordert um sie zu Bewundern. Es war aber schon spät und durch das Regenwetter war es auch schon dunkler als sonst um diese Uhrzeit. Wir entschieden also uns noch was für andere Reisen aufzuheben und die Fälle eben Fälle sein zu lasse. Es waren ja nicht die Letzten die wir auf dieser Reise sehen sollten. Der Weg nach Bend war erfüllt von Sonne, Regen, Sonne, Regen, und so weiter. Das Schauspiel hatte an einer Stelle einen Regenbogen zur Folge, der sich wunderschön zwischen den Wäldern erstreckte. Als wir den Highway 375 erreichten dämmerte es schon leicht. Überall waren Wildwechselwarnschilder und Anett passte explizit auf, dass kein Reh die seitlichen Wälder verließ. Wir sahen bestimmt über zwanzig Rehe am Straßenrand. Eins ging sogar zur Straße, blieb stehen, guckte, ließ einen Truck passieren und überquerte die Fahrbahn noch schnell bevor wir ankamen. Es gibt wohl auch schlaue Rehe. Groß sind diese Deer sag ich Euch, ich muss das mal nachlesen, warum diese Rassen im Gegensatz zu unserem Wild so riesig sind. Allein die normalen Rehe sind ja schon so groß wie unsere Hirsche. Nach zwei Stunden Fahrt kamen wir in Bend an. Ein schönes Städtchen am Deschutes River, es gefiel uns von Anfang an. Der Blick auf die Kaskadenkette blieb uns zwar verwehrt, aber morgen ist ja auch noch ein Tag, und dieser versprach wunderschönes Wetter. Hoffentlich können wir dann auch einen Blick auf den Mount Bachelor erhaschen. Beide hatten wir mal wieder Hunger. Das Mittagessen haben wir ja heute ausfallen lassen. Zwischendurch ernährten wir uns von Müsliriegeln und Teriyaki Tender Bites, die wir dann zu Hause nicht mehr sehen konnten. Es war schon gegen neun und wir natürlich zu müde um noch in ein Restaurant zu gehen. Und zu schmutzig. Wir fragten unser Navi, es gab die üblichen Verdächtigen, auf die wir irgendwie keine Lust hatten. Sonic kannten wir noch nicht. Okay, fahren wir zu Sonic. Das hatte ich noch nie gesehen. Es gab einen Drive Thru, aber auch einen Drive In. Drin konnte man gar nicht essen. Das war für heute genau das Richtige, ein Drive In. Wir suchten uns einen "Stall", so werden die Parkplätze mit den großen Speisekarten daneben genannt, und begutachteten die Speisekarte. Man musste einen roten Knopf drücken, dann ging es auch schon los. Bezahlt wurde mit Kreditkarte. Einige Zeit später, es war gut besucht hier, kam die Kellnerin auf Rollschuhen und brachte uns das Essen. Danach bleibt man hier in dem Stall bis man fertig gegessen hat. Witzige Sache. Also nochmal zum Verständnis. Ein Drive IN ist da wo man im Auto sitzt, bestellt, und dort isst wo man bestellt hat ohne das Auto zu verlassen. Ein Drive Thru ist das, was wir in Deutschland unter Drive IN verstehen, aber man fährt da nur durch und isst sein Essen auf der Fahrt oder zu Hause, aber nicht am Restaurant. Sonic Burger sind echt lecker, und haben es auf Platz 2 unserer beliebtesten Burger geschafft. Gleich in der Nähe war unser Hotel, das Shilo Inn Bend. Sehr schnuckelig sah es aus, ganz in Holz gehalten. Das Hotel besitzt mehrere Buildings und eine große Indoor Pool und Spa Area. Wir waren heute sogar zu müde für den Whirlpool. Daher wurden unsere nassen Schuhe noch ausgestopft und auf das Fensterbrett gestellt. Anett hatte zwar keine nassen Schuhe nach der Wanderung, aber später hat sie bemerkt, dass der Kaffee aus der Thermokanne über ihre anderen gelaufen war. Gerechtigkeit. Nach einer heißen Dusche tranken wir noch gemütlich zusammen ein Coors und dann schliefen wir glücklich ein. 
Navigiere im Reisebericht
Tag 5: Redwoods und Crater Lake
Tag 5: Redwoods und Crater Lake
Datum: 29.05.2013 Gefahrene Meilen: 350 Shilo Inn Bend  3105 O B Riley Rd, Bend, OR, Vereinigte Staaten ‎ +1 541-389-9600 ‎ · shiloinns.com Redwood Nationalpark nps.gov/redw/index.htm Crater Lake National Park nps.gov/crla/index.htm National Creek Falls waterfallsnorthwest.com/nws/falls.php?num=4294 Sonic Drive-In 63076 N U.S. 97, Bend, OR, Vereinigte Staaten ‎ +1 541-306-4153 ‎ · sonicdrivein.com
Aktivitäten
Übernachtung
Essen
Video des Tages Music: "Let It Rock" von Chatham County Line
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