REISEBERICHT - USA - HIGHLIGHTS DES WESTENS

TAG 1 FLUG NACH LOS ANGELES

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REISEBERICHT - LOS ANGELES - FLÜGE

 

FLUG NACH LOS ANGELES

 

AUF AIRBERLIN IST SELBST BEI CHICKEN VERLASS

 

Der ersehnte Tag ist da. Ab Düsseldorf soll es mit der Airberlin nonstop nach Los Angeles über den großen Teich gehen. Die insolvente Airline hat uns nicht hängen lassen, Dank Staatskredit von Mutti, darf meine Lieblingsairline noch ein bisschen fliegen. Wie lange? Das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Sicher ist allerdings, die Koffer sind schon am Flughafen, die wurden nämlich zu Gunsten einer bequemen Anreise schon gestern von uns beim Late Check In aufgegeben. Sitzplätze hatte ich keine reserviert, daher war die Freude groß, dass doch noch ganz hinten am Fenster etwas für uns in einer Zweierreihe frei war. Um kurz nach sieben begeben wir uns gemütlich zum Bus der uns zur S-Bahn Station bringt.

 

Von da aus ist es ein kurzer Sprung zum Hauptbahnhof, die Deutsche Bahn meint es gut. Auch der kurze Ritt zum Flughafen direkt ins Terminal ist schnell vorbei. Die Security Schlange ist nicht lang, somit sind wir viel zu zeitig in der Abflughalle von Terminal C. Aber was ist das? Alles ist abgesperrt. Nur USA Reisende dürfen den hinteren Bereich nach einer weiteren Kontrolle inklusive Nacktscanner betreten. Wir sehen wohl vertrauenswürdig aus, bzw. verrät wohl der Sticker auf unseren Pässen dass wir schon „prechecked“ sind. Die wenig motivierte Mitarbeiterin vom Bodenpersonal gestern hat zwar nicht eine einzige Frage gestellt, aber das erzählen wir natürlich nicht.

 

     

 

Das Boarding beginnt pünktlich und wir machen es uns in Reihe 48 bequem. Ich habe den Eindruck, dass die Sitzplatzabstände mal etwas länger waren, kann mich aber auch täuschen. Der Kapitän begrüßt uns Passagiere herzlich und verspricht einen zeitigen Start. Plötzlich hört man aus dem Rumpf des Flugzeuges lautes Gehämmer. Dies lässt nichts Gutes versprechen, und genau so ist es auch. Eine weitere Durchsage des Kapitäns lässt uns wissen, dass sich ein Koffercontainer so sehr verhakt hat, dass er nun komplett auseinander gebaut werden müsste. Der Start ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Ich hoffe die Jungs da unten wissen was sie tun, die Geräusche hören sich allerdings eher an, als würden sie den halben Airbus auseinander nehmen. Nach einer guten Stunde kommt eine erneute Durchsage aus dem Cockpit, wir sind endlich bereit zum Starten.

 

 

Das Wetter sieht für den Flug über den Atlantik gut aus, so können wir nun auf Pasta und Chicken warten. Der Service an Bord fängt pünktlich an, nur ist in Reihe 48 kein Chicken mehr da. Der Gentleman gegenüber verleibt sich das letzte ein. Na super. Ich begnüge mich mit Pasta, Nathalie wartet lieber auf ein Chicken-Wunder. Die Stewardess kommt ein paar Minuten später zurück und bringt noch ein verbeultes Chicken, sehr gut. Jetzt sind alle zufrieden. Das Filmangebot ist ganz okay, reißt mich jetzt aber nicht vom Hocker. Dann lieber zum hundertsten Mal die gleichen Big Bang Theory Folgen. Die Karte im Inseat funktioniert nicht, so kann ich leider die Flugroute nicht verfolgen. Ich frage einfach die nette Stewardess, die mir 5 Minuten später unseren aktuellen Standort mitteilt. Neufundland. Ah! Still a few miles to fly würd ich sagen.

 

Der Gentleman neben mir wird mehrmals darauf hingewiesen, dass seine E-Zigarette nicht erlaubt ist an Bord, dies stört ihn überhaupt nicht und bläst fröhlich den Rauch in seine Decke. Ich gucke ihn ungläubig an, stört ihn auch nicht. Eine ziemlich trockene Luft ist an Bord und es wird schön langsam unangenehm zu atmen. Gut, dass nur noch 3 Stunden zu fliegen sind. Kurz über Vegas erkennt man noch die Ausläufer des Grand Canyons und etwas später geht der Kapitän in den Sinkflug über. Los Angeles von oben sieht nicht wirklich besser aus als von unten. Meine Ohren machen mal wieder Probleme und ich bin froh die Landebahn auf mich zukommen zu sehen. Aber was ist das! Schub! Und das kurz vor der Landung. Mich presst es in den Sitz und ich blicke verwirrt aus dem Fenster. Das Flugzeug gewinnt wieder an Höhne und segelt auf den Pazifik hinaus.

 

Die Crew informiert ein paar Minuten später, dass wir durchstarten mussten, da wir sonst eine kleinen „Aufflug“-Unfall gemacht hätten. Der Tower hat da wohl etwas geschlafen und uns zu nah auf den Vordermann gelenkt. Ein paar Runden über Los Angeles später setzen wir aber endlich sanft auf amerikanischem Boden auf. Applaus? Ernsthaft Leute? Entweder haben die Airberlin Schleuderpreise ein paar Mallorca Urlauber angezogen, oder die Solidarität mit der Airline ist sehr groß. Evtl. eine Mischung aus beidem. Das Flugzeug rollt und rollt. Und rollt. Ca. 15 Minuten lang versucht der Kapitän seinen Parkplatz zu finden, mich wundert es, dass wir nicht schon in Downtown angekommen sind. Das Aussteigen klappt mal wieder, gar nicht. Es kommt einem so vor als würden die Menschen plötzlich erfahren, dass jetzt Zeit zum Aussteigen ist. Sie kramen all ihr Hab und Gut in aller Ruhe zusammen. Was bitte habt ihr alle im Flieger ausgepackt? Und wieso packt ihr den Großteil nicht einfach vor der Landung schon ein? Im Schneckentempo geht es den Gang entlang Richtung Ausgang.

 

Uups! Keine Gangway. Ein Bus. Okay. Einer geht noch rein, und der nächste. Dicht an dicht stehen wir nun im Bus und warten auf die Abfahrt. Die Fahrt zum Terminal zieht sich. Endlich kommen wir an und ich kann wieder Luft schnappen. Einen Vorteil hat die Busfahrt, der Fahrer schmeißt uns nämlich direkt an der Immigration raus. Dort warten schon zahlreiche Automaten, mit denen natürlich zahlreiche Menschen überfordert sind. Zum Glück ergattern wir gleich einen freien Automat, scannen unsere Pässe, Fingerabdrücke, Fotos, und warten auf den Ausdruck. Keiner hat ein X über den Verbrecherfotos stehen, so geht’s gleich nochmal zur Endkontrolle zum Officer. Der will nur wissen wie lang ich da bleibe und warum ich hier bin. Mit einem freundlichen „Welcome back“ schickt er mich weiter. Die Anzeige für die Kofferbänder lässt verlauten, dass sich die Ausgabe am hinteren Band auf der rechten Seite befindet. Wir stehen und stehen dort, nichts bewegt sich. Plötzlich eine Durchsage. Die Koffer des airberlin Fluges werden doch an einem anderen Band ausgegeben. Okay, gehen wir einmal komplett durch die Halle  zum anderen Band. Dort nehmen wir nach kurzer Zeit die Koffer in Empfang.

 

Die Absperrungen sind aber mal blöd gespannt die zum Zoll führen. Man soll wieder ganz nach hinten gehen. Da kürzen doch einige ab, als ich abkürzen will, pfeift mich natürlich eine Frau von der TSA zurück. Ja ja, wir gehen ja schon die volle Runde. Nun beginnt der Hindernislauf durch die vielen Menschen die Ihre Liebsten, Kunden oder sonst wen abholen möchten. Warum sie sich gerade direkt an den Ausgang stellen ist mir ein Rätsel. Beim Rausgehen fällt mir doch nicht der Pass aus der Tasche, ein netter Herr gibt ihn mir aber gleich, puh, das hätte gleich mal eine andere Wendung des Urlaubs mit sich bringen können. Da, der Hertz Bus ist abfahrtbereit. Nimm uns bitte mit! Ich quetsche mich durch weitere ziemlich verwirrt guckende mitten im Weg stehende Menschen und signalisiere dem Fahrer, dass wir gerne noch mitfahren wollen. Der versteht zugleich und steigt nochmal aus um uns mit dem Gepäck zu helfen. Sehr freundlich.

 

Ein paar Minuten später stehen wir auch schon auf dem Parkplatz von Hertz und die Sonne knallt. Ich suche mir kurz die Stellplatznummer aus der E-Mail die ich erhalten habe. Mit all dem Gepäck rollen wir über den kompletten Parkplatz um einen weißen KIA Sportage zu erblicken. Och nöööö, er hat zwar Allrad, aber ich wollte doch ein amerikanisches Auto haben. Einen Ford oder einen Jeep. So gehe ich zur Mitarbeiterin und frage, ob sie mir evtl. noch ein anderes Auto anbieten kann. Ja, das kann sie, nämlich einen Nissan Rogue. Mir ist heiß. Den will ich auch nicht, aber was anderes hat sie nicht. Ich gucke mir den Nissan an, der wieder auf der ganz anderen Seite steht. Stattliche 12.000 Meilen hat er auf dem Buckel, der KIA nur 7.000. Schwarz ist er und hat schönere Radioknöpfe zum Rumspielen. Allrad hat er auch, und ist etwas höher als der KIA. Kofferraum allerdings genau so klein.

 

 

 

Schwarz oder weiß? Nissan oder Kia? Ich weiß nicht. Ich frage Nathalie, aber der ist das ziemlich egal, da sie ja eh nicht fährt. Ich soll nehmen was ich will. Aber ich will ja eigentlich keinen von beiden. Na gut, der schwarze Nissan gefällt mir innen besser, Reifen sehen gut aus und er hat jede Menge Schrammen und Dellen, da kann ich sicher gehen, dass falls ich eine rein mache, es nicht weiter auffällt. Wie gehen die Menschen bitte mit den Autos um frag ich mich. Mensch ist das heiß hier. Ich habe ja immer noch meine Kompressionssocken an und eine lange Hose, die allerdings so eng ist, dass ich sie ausziehen müsste um die hohen Socken auszuziehen. Kommt schlecht auf dem Parkplatz. Wir verladen schwitzend das Gepäck in den viel zu kleinen Kofferraum. Mit Mühe und Not passen zwei große Koffer und die zwei Cabin Bags nach hinten. Die Scheiben sind nicht abgedunkelt, Kofferraumabdeckung gibt es ja sowieso nie. Da muss eine Plane her. Ich fotografiere noch schnell den Wagen von allen Seiten und fahre dann zur Schranke.

 

Die Dame am Schalter ist sehr nett und lässt mich auf einer offiziellen Skizze alle Schäden markieren. Ich markiere mal lieber zwei, drei mehr, zur Sicherheit. Obwohl ich mit ADAC Rabatt gebucht hatte, interessiert sie weder die Clubkarte noch meine Hertz Gold Memberkarte. Nur Führerschein und Kreditkarte will die werteste sehen. Auch gut. Sie gibt mir den Ausdruck mit den Karten öffnet die Schranke und macht Feierabend. Meine H20 SIM Karte die ich für die USA gekauft habe ist noch nicht aktiviert und benötigt WLAN um den APN Client zu laden, da ich nicht im Verkehr in LA stecken will, buch ich mir schnell einen Tagespass für 2,95 € um kurz Google Maps nutzen zu können. Ein paar Straßen weiter überkommt mich plötzlich ein komisches Gefühl.

 

Ich schaue mir die Karten an, die ich vorübergehend in der Mittelkonsole deponiert habe. Wo bitte ist mein Führerschein? Nathalie nimmt sich mein Portmonee und sucht einmal die komplette Kartenreihe durch. Der Führerschein ist nicht da. So ein Mist, aber zum Glück noch vor der Auffahrt auf den Freeway gemerkt, der ist nämlich durch die Rush Hour bereits voller als voll. Ich bin genervt und versuche irgendwo zu wenden und zu Hertz zurückzufahren. Keine Ahnung wie ich jetzt diese Frau finden soll, geschweige denn, ob sie meinen Führerschein überhaupt hat. Wo soll ich bei Hertz rein fahren? Direkt bei der Ausfahrt, nee, verboten. Also rolle ich erstmal wieder über den Rental Car Return auf den Parkplatz und schlängel mich durch viele Parkreihen wieder zur Ausfahrt. Ganz schön groß da. Und siehe da, wer kommt mir entgegen, zu Fuß. Die Dame, welche mich gerade abgefertigt hat.

 

„It’s closed!“ sagt sie. Ich so: „hey, did you keep my licence?“ und sie guckt mich strahlend an: „Hey, it’s you again! I just wanted to bring it to the office!” Ja nee! Ist klar! Zum ärgern war die Erleichterung dann doch viel zu groß. Inzwischen hat sich das Internet verabschiedet, wieso auch immer. Die kalkulierte schnellste Route mit Einbezug des aktuellen Verkehrs ist weg. Nichts geht mehr, außer das offline Navigon auf dem Handy. Ich tippe wieder die Adresse von unserem Hotel in Palm Springs ein. Jetzt geht’s auf den Freeway und natürlich in den Stau. Hätte ich mal die Gelegenheit genutzt doch meine Hose auszuziehen und vielleicht etwas zu Trinken zu kaufen. Mist. Okay, wenn der Stau sich etwas auflöst will ich kurz runter fahren. Es wird allerdings nicht besser. So schleichen wir geschlagene zwei Stunden aus Los Angeles und Einzugsgebiet hinaus.

 

Gott sei Dank kommt irgendwann eine FastLane, die paar Dollar sind es mir wert, und Dank Hertz‘ Pay by Plate müssen wir uns um das Bezahlen keine Sorgen machen, die Rechnung kommt später zu Hause. Nach 2,5 Stunden löst sich der Stau auf, Nathalie ist neben mir schon am Verdursten und ich fühle mich immer noch eingeengt von meinen Socken und meinen langen Klamotten. Die nächste Ausfahrt fahr ich aber jetzt runter, egal was kommt, wir müssen was trinken und essen. Zwischen den Häusern sehe ich auf der anderen Seite der Autobahnbrücke einen Panda blitzen. Unsere Rettung. Ein Panda Express. Parken, aussteigen, oh mein Gott, wie heiß es ist. Die Anzeige zeigt fast 100 Fahrenheit an. Widerum hat der Panda die Klimaanlage auf nächste Eiszeit eingestellt, man kennt es ja. Wir bestellen kurzerhand eine Bigger Plate mit Chow Mein, Orange Chicken, Walnut Shrimps und Bejing Beef. Glück gehabt, der Zuschlag für die Walnut Shrimps wird vergessen zu berechnen.

 

Ich sprinte erstmal auf die Toilette um meine blöden Socken loszuwerden. Haaaaach! Schön. Jetzt können wir erstmal Dank Refill unseren Wasserhaushalt wieder auffüllen. Essen schmeckt auch. Es sind noch eineinhalb Stunden zu fahren und ich fühle mich durch den kurzen Stopp gestärkt um diese auch noch zu überstehen. Es wird bereits dunkel und als wir die Abfahrt Rancho Mirage erreichen ist es stockdüster. Der Einfachheit haben wir keine Kosmetikartikel mitgenommen, so steuern wir noch kurz vorm Hotel einen Walgreens an und kaufen Softsoap Coconut Scrub und Maui Shampoo und Spülung. Die tolle Auswahl lädt zum Stöbern ein, aber irgendwie sehne ich mich jetzt sehr nach einem Bett. Das Hilton Garden Inn erreichen wir danach schnell. Der Mann vom Check In ist sehr zuvorkommend und überreicht mir eine Tüte mit Willkommens-Wasser. Sehr freundlich.  Das Zimmer ist sehr schön und ruhig. Endlich haben wir auch WLAN um unsere H20 Karte zu aktivieren. Danach fallen wir ins Reich der Träume.

 

 

 

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